1914-1932

.. als der Erste Weltkrieg beginnt hat sich das Handwerksunternehmen gerade eine Position im Berliner Bild- und Bronzeguss aufgebaut, die während der folgenden Kriegsjahre immer schwieriger zu halten ist. Im Kriegsjahr 1917 werden Metallgegenstände jeglicher Art zur Herstellung von Kriegsgerät eingesammelt, was die Arbeit der Gießerei Sperlich nachhaltig beeinträchtigt. In den Berliner Adressbüchern für die Jahre 1919 und 1920 fehlt die Bildgießerei. Max Sperlich ist unter wechselnden Adressen wieder als Ziseleur eingetragen, ein Zeichen wechselhafter wirtschaftlicher Verhältnisse.

Diese sind auch mit dem Kriegsende im November 1918 nicht sogleich vorüber, denn es folgen nun Revolution und Räterepublik, deren Geschichte von zwei großen Wirtschaftskrisen geprägt wird, den Inflationsjahren 1923/24 und der Weltwirtschaftskrise 1930. Dazwischen liegen wenige gute Jahre, in denen die Bildgießerei Sperlich den durch den Ersten Weltkrieg unterbrochenen Aufschwung fortsetzt. Dies gelingt vor allem durch Aufträge für Großplastiken, die für namhafte Künstler der Zeit zur Gestaltung öffentlicher Plätze und für verschiedene Kriegsdenkmäler zumeist in Bronze gegossen werden. So vollendet die Bildgießerei Sperlich 1925 den von Professor Paul Scheurich entworfenen Deutzer Kürassier, der bis heute die Deutzer Brücke in Köln bewacht.
Auch das von Professor Emil Cauer 1928 entworfene Reiterstandbild für die Neugestaltung des Denkmals der Garde du Corps in Potsdam wird bei Sperlich gegossen.
Im August 1914 ist dem Denkmal das Schicksal vieler Großplastiken beschieden, es wird 1944 im Zuge der Metallspendenaktionen für die Rüstungsindustrie abgebaut und später eingeschmolzen. Die Wahl der Bildgießerei Sperlich für diese anspruchsvollen Arbeiten zeigt uns heute, dass das Unternehmen einen ausgezeichneten Ruf hinsichtlich der Ausfertigung und Bearbeitung künstlerisch gestalteter Großplastiken gehabt haben muss. Die Gießer, Former und Ziseleure, die bei Sperlich arbeiten, sind ausgesuchte Fachkräfte, denn nur mit diesen lassen sich solche Großaufträge erfolgreich bearbeiten. Neben hohem handwerklichen Können besaß Max Sperlich wohl auch Geschick im Umgang mit anspruchsvollen Künstlern.