1933-1945

... der Wille der nationalsozialistischen Regierung, Deutschlands Macht auch mittels Architektur und Kunst zu zeigen, führt zur Errichtung zahlreicher Repräsentationsbauten, die häufig mit Großplastiken geschmückt werden. In Berlin wird die Neugestaltung der Hauptstadt geplant und die neue Reichskanzlei gebaut, auch für die Olympischen Spiele 1936 werden Großbauten errichtet. Für die Bildgießerei eine wirtschaftlich gute Zeit - auch für Max Sperlich.
Er bekommt viele Aufträge, darunter Arbeiten von Arno Breker und Josef Thorak für monumentale Statuen im öffentlichen Raum.
Die vermutlich meist fotografierten Arbeiten der Gießerei Sperlich aus diesen Jahren sind die 5,50 Meter hohen Figurengruppen "Familie" und "Kameraden" des Bildhauers Josef Thorak an der Freitreppe des deutschen Hauses bei der Weltausstellung in Paris 1937. Das von Albert Speer entworfene Gebäude gehört zu den Sensationen dieser Weltausstellung.

Für die Gießerei Sperlich sind die dreißiger Jahre eine Phase wirtschaftlicher Prosperität, die Umsätze steigen, ebenso die Zahl der Mitarbeiter. Der einzige Sohn des Ehepaares Sperlich, der 1912 geborene Walter, schließt in diesen Jahren seine Ausbildung als Former ab und tritt in die Firma des Vaters ein.
Zum 1. Januar 1938 überträgt Max Sperlich, der seit einigen Jahren mit seiner Frau in Birkholzaue bei Bernau lebt, die Geschäfte seinem Sohn Walter, der im selben Jahr den Meisterbrief erwirbt. Max Sperlich bleibt der Bildgießerei als Geschäftsführer verbunden.
Guss und Bearbeitung von Großplastiken und anderer Kunstguss sind bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkrieges ein wesentlicher Teil der Aufträge.
Erst als die Herstellung von Schmuckgegegenständen aus Metall 1940 im Zuge der kriegswirtschaftlichen Umordnungsmaßnahmen untersagt wird, verlegt sich die Gießerei ganz auf den Industrieguss aus Leichtmetallen. Aufträge kommen von den in Reinickendorf angesiedelten Betrieben der Rüstungsindustrie.

Ende 1943 wird die Glasbedachung der Gießerei bei einem Bombenangriff zerstört, so dass sich Walter Sperlich örtlich umorientieren muss. Er baut eine zweite Produktionsstätte auf dem Grundstück in Birkholzaue und verlagert die Produktion an diesen Standort außerhalb Berlins.